BOLZ INTEC GmbH

GMP-Konformität bei Edelstahlbehältern: Ein Leitfaden für Pharmahersteller 2026

GMP-Konformität als Wettbewerbsvorteil

Good Manufacturing Practice (GMP) ist mehr als eine regulatorische Pflicht – es ist das Fundament der Produktqualität und Patientensicherheit in der Pharmaindustrie. Im Jahr 2026 sind die Anforderungen an Produktionsausrüstung, insbesondere Edelstahlbehälter, präziser und strenger denn je.

Die Realität: Allein in Europa führten 2025 über 1.200 FDA- und EMA-Inspektionen zu 278 Warning Letters – viele davon im Zusammenhang mit unzureichender Reinigungsvalidierung und Ausrüstungsqualifizierung.

Dieser Leitfaden beantwortet die drängendsten Fragen:

  • Was genau bedeutet GMP-Compliance für Edelstahlbehälter?
  • Welche technischen Anforderungen müssen erfüllt sein?
  • Wie verhält sich EHEDG-Zertifizierung zu GMP?
  • Was müssen Sie bei Beschaffung und Qualifizierung beachten?

Was bedeutet GMP-Compliance?

Definition und rechtliche Grundlagen

Good Manufacturing Practice (GMP) umfasst ein Qualitätssicherungssystem, das sicherstellt, dass Arzneimittel konsistent nach festgelegten Qualitätsstandards hergestellt werden.

Relevante Regelwerke für Edelstahlbehälter:

Regelwerk Region Relevanz für Behälter Letzte Revision
EU GMP Annex 1 Europa Sehr hoch (Sterile Herstellung) 2022
EU GMP Part II Europa Hoch (Wirkstoffe/APIs) 2024
FDA 21 CFR Part 211 USA Sehr hoch (Fertigarzneimittel) Laufend aktualisiert
WHO GMP Global Mittel (Referenz für Entwicklungsländer) 2024
PIC/S GMP 54 Länder Sehr hoch (Harmonisierung) 2024

Die zentralen GMP-Prinzipien für Ausrüstung

EU GMP Annex 1 (2022), Kapitel 4 – Premises and Equipment, fordert explizit:

“Equipment should be designed, located and maintained to suit the operations to be carried out. Surfaces of equipment and process contact parts should be smooth, free from cracks, imperfections, and recesses to minimise the accumulation of product, microorganisms and cleaning agents.”

Übersetzt auf Edelstahlbehälter bedeutet das:

  1. Materialqualität: Hochlegierter, korrosionsbeständiger Edelstahl (min. 1.4404/316L)
  2. Oberflächenbeschaffenheit: Ra ≤ 0,8 µm (oft Kundenanforderung: ≤0,4 µm)
  3. Design: Totraumfrei, vollständig entleerbar, inspizierbar
  4. Reinigbarkeit: Validierbare CIP (Cleaning in Place) oder manuelle Reinigung
  5. Rückverfolgbarkeit: Vollständige Dokumentation (Materialzertifikate, Schweißprotokolle)

Anforderungen an Edelstahlbehälter im Detail

1. Materialqualitäten und ihre Anwendungen

Nicht jeder Edelstahl ist GMP-tauglich. Die Auswahl hängt von Produkttyp, Prozessbedingungen und Reinigungsverfahren ab.

Tabelle: Edelstahltypen für GMP-Anwendungen

Werkstoff Bezeichnung Eigenschaften Typische Anwendung GMP-Eignung
1.4301 304 Standardlegierung, gute Korrosionsbeständigkeit Lagerung unkritischer Hilfsstoffe ⭐⭐⭐
1.4404 316L Molybdänlegiert, niedriger Kohlenstoffgehalt, chlorid-beständig
Standard Pharma/Kosmetik ⭐⭐⭐⭐⭐
1.4435 316L (stabilisiert) Wie 1.4404, höhere Reinheit Sterile Produktion, APIs ⭐⭐⭐⭐⭐
1.4539 904L Höchste Korrosionsbeständigkeit Aggressive Medien, Salzsäure ⭐⭐⭐⭐
Hastelloy C-22 2.4602 Nickel-Basis-Legierung, extremresistent Hochaggressive Prozesse ⭐⭐⭐⭐⭐

BOLZ INTEC-Standard: 1.4404/316L für 95% aller Pharmabehälter, 1.4539 für Spezialanwendungen mit hohem Chloridgehalt.

2. Oberflächenbeschaffenheit: Ra-Werte und ihre Bedeutung

Ra (Roughness Average) ist der arithmetische Mittelwert der Oberflächenrauheit. Doch Vorsicht: Ein niedriger Ra-Wert allein garantiert nicht GMP-Konformität!

Tabelle: Ra-Wert-Anforderungen nach Anwendung

Anwendung Mindest-Ra Empfohlen Begründung
Lagerung Hilfsstoffe ≤1,2 µm ≤0,8 µm Basisanforderung GMP
Transport APIs ≤0,8 µm ≤0,4 µm Minimierte Cross-Contamination
Sterile Herstellung ≤0,8 µm ≤0,4 µm Annex 1-Konformität
Biotechnologie (Proteine) ≤0,5 µm ≤0,2 µm Proteinanhaftung kritisch
Nanotechnologie ≤0,4 µm <0,05 µm Ultrafeine Partikel

Wichtig: Die Norm ASME BPE (Bioprocessing Equipment) fordert für Produktkontaktflächen Ra ≤ 0,8 µm, für kritische Bereiche Ra ≤ 0,4 µm.

BOLZ INTEC OGF®-Standard: Ra 0,1µm – weit unter allen regulatorischen Anforderungen.

3. Design-Aspekte: Hygienic Design nach EHEDG

Was ist EHEDG?

Die European Hygienic Engineering & Design Group (EHEDG) ist eine Expertenorganisation, die Hygienic Design-Richtlinien für lebensmittel- und pharmaverarbeitende Ausrüstung entwickelt.

EHEDG-Prinzipien für Behälter:

  1. Glatte, geschlossene Oberflächen: Keine Risse, Spalten, Taschen
  2. Minimale Toträume: Vollständige Entleerbarkeit (<0,5% Resthaftung)
  3. Selbstentleerend: Mindestgefälle 3° zu Auslaufpunkt
  4. Inspizierbar: Zugänglichkeit für visuelle Kontrolle
  5. CIP-fähig: Sprayballs, Wirbelkammern vermeiden
  6. Schweißnähte: Doppelt verschweißt, geschliffen, poliert

Tabelle: EHEDG-Anforderungen vs. Standard-Design

Designelement Standard EHEDG-konform Vorteil
Eckenradien (innen) 3-5 mm ≥6 mm Keine Produktansammlungen
Schweißnähte Einfach geschweißt Doppelt verschweißt, geschliffen Keine Hohlräume
Auslaufventil Kugelhahn EHEDG-zertifiziertes Membranventil Totraumfrei
Behälterboden Flach oder konisch (1°) Konisch (≥3°) Vollständige Entleerung
Mannloch-Dichtung Standard O-Ring Hygienedichtung (FDA-konform) Keine Produktkontamination

BOLZ INTEC-Fertigung: 100% EHEDG-konform als Standard für Pharma/Kosmetik.

Rückverfolgbarkeit und Dokumentation

Warum Rückverfolgbarkeit kritisch ist

EU GMP, Kapitel 6 (Qualitätskontrolle) und 21 CFR Part 11 fordern:

  • Vollständige Dokumentation aller produktkontaktierenden Materialien
  • Rückverfolgbarkeit bis zum Schmelzbatch des Edelstahls
  • Validierte Prozesse (Schweißen, Oberflächenbehandlung)

Konsequenz bei Audit: Fehlende Dokumentation = Nicht-Konformität = möglicher Produktionsstopp.

Erforderliche Dokumente bei Behälterbeschaffung

Checkliste: Dokumentation von BOLZ INTEC

Dokumenttyp Inhalt Relevanz
3.1 Materialzertifikat (EN 10204) Chemische Analyse, mechanische Eigenschaften, Schmelznummer ⭐⭐⭐⭐⭐ Pflicht
Schweißprotokoll WPS (Welding Procedure Specification), Schweißerqualifikation ⭐⭐⭐⭐⭐ Pflicht
Oberflächenprüfbericht Ra-Messung (5 Punkte), REM-Aufnahmen (optional) ⭐⭐⭐⭐ Empfohlen
Druckprüfprotokoll Hydrostatischer Test (1,5x Betriebsdruck), Dichtheitsprüfung ⭐⭐⭐⭐⭐ Pflicht (Druckbehälter)
Konformitätserklärung CE-Kennzeichnung, ASME, PED (je nach Region) ⭐⭐⭐⭐⭐ Pflicht
Reinigungsvalidierung (IQ/OQ) Vorlage für Kundenvalidierung ⭐⭐⭐⭐ Sehr hilfreich
2D/3D-CAD-Zeichnung As-built-Dokumentation ⭐⭐⭐ Hilfreich für Audit

BOLZ INTEC-Standard: Alle Dokumente digital verfügbar über Kundenzugangsportal, Archivierung 20 Jahre.

Fazit: GMP-Konformität als strategischer Vorteil

GMP-konforme Edelstahlbehälter sind nicht Luxus, sondern Grundvoraussetzung für:

  • Regulatorische Compliance (keine Warning Letters)
  • Produktqualität und Patientensicherheit
  • Betriebseffizienz (weniger Ausfälle)
  • Wettbewerbsfähigkeit (insbesondere bei Contract Manufacturing)

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren:

  1. Frühe Einbindung des Lieferanten in die URS-Phase
  2. Ganzheitliche Betrachtung: Material + Design + Dokumentation
  3. Investition in Premium-Qualität zahlt sich über Lebenszyklus aus
  4. Kontinuierliches Monitoring statt “Set and Forget”

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FAQ: GMP-Konformität bei Edelstahlbehältern

1. Ist eine EHEDG-Zertifizierung für GMP-Konformität zwingend erforderlich?

Antwort: Nein, eine EHEDG-Zertifizierung ist nicht verpflichtend für GMP-Konformität. Die EU GMP und FDA fordern, dass Ausrüstung nach Hygienic Design-Prinzipien gefertigt ist – eine offizielle EHEDG-Zertifizierung ist nicht Pflicht.

Vorteil einer Zertifizierung: Bei Audits dient sie als objektiver Nachweis und erleichtert die Argumentation. Bei etablierten Herstellern wie BOLZ INTEC mit umfassender ISO-Zertifizierung und GMP-Referenzen reicht der Konformitätsnachweis in der Regel aus.

2. Wie oft muss ich eine Reinigungsvalidierung wiederholen?

Antwort: Initial: 3 erfolgreiche Reinigungszyklen (OQ-Phase).

Re-Validierung erforderlich bei:

  • Produkt-/Prozessänderungen (neues API, andere Konzentration)
  • Änderung des Reinigungsverfahrens (neue Chemikalie, andere Temperatur)
  • Equipment-Modifikation (z.B. Austausch von Ventilen)
  • Nach größeren Abweichungen (Out-of-Specification-Ereignis)

Routinemäßig: Mindestens alle 3 Jahre als Teil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses – oder gemäß Risikoanalyse (bei kritischen Produkten jährlich).

3. Was mache ich, wenn ein Behälter im Audit bemängelt wird?

Antwort: Sofortmaßnahmen:

  1. Dokumentieren: Audit-Befund genau erfassen (CAPA-System)
  2. Risikobewertung: Ist ein Produkt-Recall erforderlich? (Impact Assessment)
  3. Quarantäne: Behälter aus Produktion nehmen bis zur Klärung

Korrekturmaßnahmen:

  • Behälter reparabel?: Re-Oberflächenbehandlung (z.B. Re-OGF® bei BOLZ INTEC)
  • Nicht reparabel: Ersatzbeschaffung, alte Behälter verschrotten
  • Lieferant kontaktieren: 3.1-Zertifikate nachfordern, ggf. Reklamation

BOLZ INTEC-Service: Wir bieten Notfall-Support binnen 48h mit Vor-Ort-Inspektion und schneller Lösungsfindung.

4. Welche Schweißverfahren sind GMP-konform?

Antwort: Erlaubte Verfahren (gemäß ASME BPE):

  • WIG-Schweißen (GTAW): Standard für Pharma (beste Nahtreinheit)
  • Orbitalschweißen: Ideal für Rohrleitungen (100% Reproduzierbarkeit)
  • Laserschweißen: Premium-Option (minimale Wärmeeinbringung)

Nicht empfohlen:

  • ❌ MIG/MAG-Schweißen (Spritzerbildung)
  • ❌ Elektrodenschweißen (Schlackeneinschlüsse)

BOLZ INTEC: Ausschließlich WIG mit DVS/IIW-zertifizierten Schweißfachingenieuren.

5. Wie gehe ich mit Altbehältern um, die nicht GMP-konform sind?

Antwort: Drei Optionen:

Option 1: Nachqualifizierung (wenn möglich)

  • Ra-Wert-Messung: Ist <0,8 µm erreichbar?
  • Oberflächenbehandlung: Re-Polieren oder OGF®-Nachrüstung
  • Dokumentation nachholen: Lieferant kontaktieren (falls noch erreichbar)

Option 2: Downgrade

  • Einsatz in unkritischen Bereichen (z.B. Hilfsstoffe, Reinwasser)
  • Klare Kennzeichnung (“Nicht für API-Produktion”)

Option 3: Aussondern

  • Bei irreparablen Mängeln (Korrosion, strukturelle Schäden)
  • Edelstahl-Recycling (100% recyclebar, Materialwert €1-2/kg)

Wirtschaftlich sinnvoll: OGF®-Nachrüstung kostet 40-60% eines Neubehälters und verlängert Lebensdauer um 15+ Jahre.

6. Was ist der Unterschied zwischen 3.1- und 3.2-Materialzertifikat?

Antwort: Gemäß EN 10204 gibt es verschiedene Prüfbescheinigungsarten:

3.1-Zertifikat (Standard Pharma):

  • Werkseitige Prüfung (Hersteller/Lieferant)
  • Bestätigung der Spezifikation (chemische Analyse, mechanische Werte)
  • Rückverfolgbarkeit zur Schmelze (Heatnumber)
  • Ausreichend für >95% aller GMP-Anwendungen

3.2-Zertifikat (erhöhte Anforderungen):

  • ✅ Wie 3.1, plus
  • Unabhängige Überwachung durch akkreditierte Sachverständige
  • ✅ Erforderlich bei: speziellen Druckbehältern (PED), Kernkraftwerken
  • Selten gefordert in Standard-Pharmaproduktion

BOLZ INTEC-Standard: 3.1-Zertifikate für alle Behälter, 3.2 auf Anfrage für Spezialprojekte.

7. Wie prüfe ich die GMP-Kompetenz eines Behälterherstellers?

Antwort: Checkliste für Lieferantenqualifizierung:

Dokumenten-Review (vor Besuch):

  • ISO 9001:2015-Zertifikat (aktuell, Scope prüfen)
  • Schweißzertifikate (ISO 3834-2, AD2000-HP0)
  • Referenzliste: Pharma-Kunden (idealerweise anonymisierte Case Studies)
  • Musterdokumentation: 3.1-Zertifikat, IQ/OQ-Vorlage

Vor-Ort-Audit:

  • ☐ Produktionsstätte: Sauberkeit, Ordnung, Trennung von Bereichen
  • ☐ Qualitätskontrolle: Messtechnik (Ra-Messgerät kalibriert?)
  • ☐ Personal: Qualifikationsmatrix der Schweißer
  • ☐ Materialfluss: Rückverfolgbarkeit vom Stahlblech bis zum Endprodukt

Entscheidende Fragen:

  1. “Wie viele Pharmabehälter produzieren Sie jährlich?” (Erfahrungswert)
  2. “Hatten Sie in den letzten 3 Jahren GMP-bezogene Reklamationen?” (Qualitätshistorie)
  3. “Welche Oberflächenqualität können Sie reproduzierbar garantieren?” (Prozessfähigkeit)

Red Flags:

  • ❌ Keine Pharma-Referenzen
  • ❌ Zertifikate ohne aktuelle Gültigkeit 
  • ❌ Unklare Materialherkunft (“Stahlhandel XY”)
  • ❌ Keine Ra-Messeinrichtung im Werk

BOLZ INTEC: Wir begrüßen Kunden-Audits und haben einen strukturierten Audit-Prozess mit durchschnittlich 12-15 Audits/Jahr.

Über den Autor

Cornelius Mauch ist Geschäftsführer der BOLZ INTEC GmbH und gilt als Experte für hygienegerechte Edelstahlverarbeitung. Unter seiner Führung entwickelte BOLZ INTEC in Kooperation mit der Hochschule Konstanz das patentierte Optimized Grind Finishing®-Verfahren. Er ist regelmäßiger Speaker auf internationalen Pharmamessen wie ACHEMA, POWTECH und PharmaCongress.

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